Vertreterversammlung 2016: VR-Bank weiter auf Erfolgskurs

„Beratung ist unsere genossenschaftliche DNA“

Die VR-Bank, Alzenau, hat im Geschäftsjahr 2015 ihre Marktposition in der Region weiter gefestigt und die geplanten Ziele weitestgehend eingefahren. Dies berichtete der Vorstand der Genossenschaftsbank den Mitgliedervertretern im Rahmen der Vertreterversammlung in der Maingauhalle Kleinostheim.

Sigrid Werner, Vorstandsvorsitzende der VR-Bank, berichtet den Mitgliedervertretern über die Geschäftsentwicklung

Bei einer Bilanzsumme von 424,2 Mio. Euro konnten die bilanzwirksamen Kredite an Privat- und Firmenkunden um 3 Prozent auf 249,6 Mio. Euro ausgebaut werden. Die Entwicklung der Kundeneinlagen wurde durch das anhaltende Nullzinsumfeld geprägt. Zum Jahresultimo bewegten sich die bilanziellen Kundengelder bei 350 Mio. Euro leicht unterhalb des Vorjahreswertes (- 0,8 Prozent). Auf der Suche nach attraktiven Renditeaussichten gehe der Trend verstärkt zu außerbilanziellen Lösungen, wie Zertifikaten oder Investmentfonds, erläuterte Volker Gilmer, Generalbevollmächtigter der VR-Bank. Gemeinsam mit den an die genossenschaftlichen Partnerunternehmen (zum Beispiel Union Investment, Bausparkasse Schwäbisch Hall, R+V Versicherung) vermittelten Geldanlagen und Krediten betreut die VR-Bank ein Kundenvolumen von 900 Mio. Euro. „Das ist ein enormer Vertrauensbeweis unserer Mitglieder und Kunden“, betonte Gilmer.

Unter dem Strich weist die Bank mit 562 TEUR einen Jahresüberschuss auf Vorjahresniveau aus. Die 11.134 Mitglieder, die mit 59.386 Geschäftsanteilen an ihrer Genossenschaft beteiligt sind, profitieren unmittelbar mit einer Dividende von 3,5 Prozent. 0,7 Mio. Euro fließen als Steuerzahlungen an die öffentliche Hand.

Die Erfüllung der verschärften gesetzlichen Eigenkapitalvorschriften ab 2018 bleibt für die VR-Bank ein vorrangiges Ziel der Geschäftspolitik. Hier sei man durch die Ergebnisse der vergangenen Jahre gut unterwegs, so Gilmer: „Unser bilanzielles Eigenkapital haben wir auf 27 Mio. Euro ausgebaut.“

Die wichtige Eigenmittelquote verbesserte sich im Jahr 2015 deutlich auf 8,84 Prozent (Vorjahr: 7,86 Prozent).

Die Vorstandsvorsitzende Sigrid Werner stellte die Zukunft des Geschäftsmodells „Bank“ in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. „Der Veränderungsdruck ist radikal und vollzieht sich in extremer Geschwindigkeit“, so Werner. Davon seien alle betroffen: Großbanken, Sparkassen und auch die genossenschaftliche Welt. Diese Entwicklung lasse sich an drei Schlagworten festmachen: Digitalisierung, Negativzinsen und aufsichtsrechtliche Regulatorik.

Die Digitalisierung habe auch das Bankgeschäft voll erfasst. Die kleinen digitalen Helfer wie Smartphone, Laptop oder Tablet seien für viele aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Dies sei keine Frage des Alters oder des Bildungsstands. „Kunden erwarten immer stärker, dass ihnen alle Informationen, Beratungs- und Kaufmöglichkeiten auf sämtlichen Zugangswegen – also online und offline – zur Verfügung stehen. Sie möchten jeden Tag aufs Neue frei entscheiden können, welchen Weg sie nutzen“, unterstrich die Vorstandsvorsitzende. Dieser Anspruch habe in anderen Branchen bereits massive Spuren hinterlassen. So habe Amazon in Deutschland 25 Mio. Besucher im Monat. Gleichzeitig hätten seit 2004 40 Prozent der Warenhausfilialen für immer geschlossen. Auch die VR-Bank setze sich intensiv mit der „schleichenden Digitalisierung des Alltags“ und den veränderten Kundenanforderungen auseinander. Man investiere gezielt in den weiteren Ausbau der digitalen Angebote rund um die Internetpräsenz und das Online-Banking. Werner machte deutlich: „Unsere Kunden wünschen sich das Beste aus beiden Welten – online/digital und offline/persönlich.“ So habe der Internetauftritt der VR-Bank rund 60.000 Besucher im Monat. Dennoch werde die VR-Bank immer eine persönliche Bank bleiben. Beratung mache den Unterschied. „Das ist unsere genossenschaftliche DNA, der entscheidende Erfolgsfaktor jeder Kundenbeziehung“, unterstrich Werner. Schließlich wünschten sich 65 Prozent aller Bankkunden bei komplexen Produkten die persönliche Beratung in der Filiale oder zu Hause.

Anschließend umriss Werner die Folgen der Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank auf null Prozent. „Präsident Draghi hat Geschichte geschrieben“, so Werner, „doch gratulieren möchte ich ihm dazu nicht.“ Mit der Zinsentscheidung im März 2016 habe er gleichzeitig die klassische Geldanlage aufs Abstellgleis geschoben.

Auch die private Altersvorsorge bleibe davon nicht unberührt, weil ursprünglich prognostizierte Ablaufleistungen nach unten korrigiert würden. „Viele Kunden, die seit Jahren gezielt vorsorgen, müssen jetzt nochmal nachbessern und Geld in die Hand nehmen, um die neu entstandenen Lücken zu schließen“, beschrieb Werner. Ein verbessertes Zinsumfeld werde nach Aussagen der Zentralbank noch lange auf sich warten lassen.

Werner berichtete, dass an den Geld- und Kapitalmärkten Negativzinsen längst die Realität seien. Man müsse also „Geld mitbringen“. Bundesanleihen hätten bis ins zehnte Laufzeitjahr hinein negative Renditen. Auch die VR-Bank sei von diesem Zinsumfeld betroffen. So zahle man ab August für die bei der genossenschaftlichen Zentralbank, der DZ BANK, unterhaltenen Bankguthaben einen Negativzins. Dieses herausfordernde Umfeld führe dazu, dass der Zinsüberschuss – die wichtigste Einnahmeposition bei Regionalbanken – weiter unter Druck gerate. In 2015 betrage der Zinsüberschuss bei der VR-Bank noch 11,4 Mio. Euro. Dies sei gegenüber dem Vorjahr jedoch bereits ein Rückgang in Höhe von 458 TEUR oder 3,9 Prozent. „Wir werden daher weiter sinkende Betriebsergebnisse sehen. Bei uns und quer durch die gesamte Bankenlandschaft“, prognostizierte Werner.

Ein weiterer Hemmschuh seien immer neue aufsichtsrechtliche Regelungen. Die Vorstandsvorsitzende führte aus, dass hier „Maß und Mitte schon lange verloren“ seien. Besonders kritisch sei momentan das Vorhaben der Europäischen Union, die nationalen Einlagensicherungssysteme zu einer europäischen Lösung zusammenzuführen. „Dagegen laufen wir als Genossenschaftsbanken mit allem, was wir haben, und auf allen Ebenen Sturm“, betonte Werner nachdrücklich. Es dürfe nicht dazu kommen, dass die bewährte Einlagensicherung in Deutschland dazu missbraucht werde, um die Bankeinlagen in anderen europäischen Ländern zu schützen. „Das Schutzniveau des deutschen Sparers darf nicht geschwächt werden“, unterstrich Werner und erteilte einer Transferunion eine klare Absage.

Digitalisierung, Negativzinsen und aufsichtsrechtliche Regulatorik – diese drei Schlagworte werden nach Meinung der Vorstandsvorsitzenden die zukünftige Ausrichtung der VR-Bank wesentlich beeinflussen. „Wir müssen darauf die richtigen Antworten geben“, so Werner. Fusionen oder Filialschließungen stünden derzeit nicht auf der Agenda. Dennoch werde sich die Bank verändern und den Herausforderungen stellen, um langfristig zukunftsfähig zu bleiben.

„Ich bin da optimistisch, weil wir eine gute Ausgangsposition haben. Wir sind gesund und beweglich. Wir werden das Zukunftsbild unserer VR-Bank selbst gestalten und uns dabei eng an den Anforderungen unserer Kunden ausrichten“, betonte Werner. Hierbei gebe es keine Denkverbote. Auch für neue, unkonventionelle Lösungen gebe es Raum.

Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurde Klaus Scherer aus Karlstein von der Vertreterversammlung erneut und einstimmig in das Gremium berufen. Nach 25-jähriger Tätigkeit im Aufsichtsrat ist Hans Peter Röll aus Alzenau- Michelbach aus dem Aufsichtsrat der VR-Bank ausgeschieden. Für seine Verdienste wurde er mit der Ehrenurkunde und der Silbernen Ehrennadel des Genossenschaftsverbands Bayern ausgezeichnet.